DE – Die Verordnung über Verpackungen und Verpackungsabfälle (PPWR) ist eine wegweisende Verordnung für die Kreislaufwirtschaft, die heute, am 12. August 2026, in Kraft tritt. Kern der PPWR ist die drastische Reduzierung von Verpackungsabfällen, die Abschaffung nicht recycelbarer Verpackungen und die Förderung des Übergangs zu einer sicheren Kreislaufwirtschaft. Sie enthält außerdem Regelungen, die schwerwiegende Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit und die Umwelt abmildern sollen, wie beispielsweise das Verbot von PFAS in Lebensmittelverpackungen sowie die Festlegung rechtsverbindlicher Ziele zur Abfallvermeidung, Wiederverwendung und zum Einsatz von Recyclingmaterial in Verpackungen.
Da die PPWR das Potenzial besitzt, den stetig wachsenden Plastikmüll deutlich einzudämmen, haben einige Branchenvertreter mit Nachdruck versucht, ihr Inkrafttreten zu verzögern oder zu verhindern.
Im April 2026, vier Monate vor dem geplanten Inkrafttreten der PPWR, wandten sich 138 CEOs der Einwegverpackungsindustrie mit einem vertraulichen Schreiben an die EU-Commission und baten um eine Verschiebung ihrer Verpflichtungen aus der PPWR sowie um die Wiederaufnahme der Verhandlungen. Dieser Brief wurde später durchgesickert und enthüllte eine Reihe von Lobbyforderungen, darunter die Abschwächung der Abfallvermeidung und Ausnahmen für Einwegverpackungen. In dem Brief wurde der Bedarf der Branche an mehr Zeit zur Einhaltung und Klärung der Vorschriften angeführt.
Interessanterweise entschieden sich viele Verpackungsunternehmen und große Konzerne gegen die Unterzeichnung des Briefes. Die Fachzeitschrift Packaging Europe berichtete von gemischten Reaktionen bei Gesprächen mit Vertretern der Plastik Industrie: Einige befürworteten eine Verschiebung der Umsetzung der PPWR, um Unternehmen zu schützen und den Mitarbeitern mehr Zeit für die Bewältigung des Verwaltungsaufwands zu geben; andere wiesen darauf hin, dass viele Unternehmen bereits Schritte zur Umsetzung der PPWR unternommen hätten und eine Verzögerung „unfair gegenüber Unternehmen wäre, die ihre Prozesse angepasst haben und startbereit sind“, wie Ton Knipscheer vom European Co-Packers Association erklärte.
Zero Waste Kiel unterzeichnete ein Antwortschreiben, in dem die EU-Kommission aufgefordert wurde, am ursprünglichen Umsetzungsdatum, dem 12. August 2026, festzuhalten. (Den vollständigen Brief können Sie hier lesen.) Der Brief äußerte erhebliche Bedenken hinsichtlich der Lobbyarbeit in letzter Minute zur Verzögerung der PPWR:
• Forderungen nach einer Wiederaufnahme oder Verschiebung der Verordnung, die bereits umfassend geprüft, öffentlich konsultiert und demokratischer Debatte unterzogen wurde, untergraben die Demokratie und den Gesetzgebungsprozess.
• Die 138 Unterzeichner des Briefes vom April 2026 repräsentieren nicht die breitere Wertschöpfungskette der Verpackungsindustrie und die Branchenvertreter, die den Brief nicht unterzeichnet haben und bereits Zeit und Geld in die Anpassung investiert haben.
• Verbote von PFAS in Lebensmittelverpackungen sind dringend erforderlich, um die Gesundheit der europäischen Verbraucher zu schützen.
• Verbote von Einweg-Kunststoffverpackungen sind dringend erforderlich, um die steigende Menge an minderwertigen oder schwer bzw. unmöglich zu recycelnden Gegenständen zu stoppen, die das Recyclingsystem der EU überlasten.
In derselben Woche, in der der Lobbybrief durchgesickert war, bat die Tschechische Republik um mehr Zeit, um Ausnahmen von bestimmten PPWR-Leitlinien zu klären. Hätten andere EU-Mitgliedstaaten der Position der Tschechischen Republik zugestimmt, hätte dies die Kommission unter Druck setzen können, die Verordnung zu verschieben. Glücklicherweise hat die EU-Commission beschlossen, am ursprünglichen Stichtag, dem 12. August 2026, festzuhalten.
Ab heute müssen die EU-Mitgliedstaaten die PPWR-Richtlinien einführen und unter anderem PFAS-„Forever Chemicals“ aus Lebensmittelverpackungen verbannen. Doch der Kampf ist noch nicht vorbei! Die PPWR-Richtlinien stellen eine deutliche Verbesserung der Verpackungs- und Kunststoffabfallvorschriften dar, aber es liegt an uns, die EU-Mitgliedstaaten zur konsequenten Umsetzung der Richtlinien zu bewegen. Fragen Sie Ihren Abgeordneten, welche Maßnahmen er zur Umsetzung der PPWR-Richtlinien ergreift, und fordern Sie ihn zur Rechenschaft!
Mehr dazu: “EU Packaging law protects consumers from forever chemicals in food packaging starting today” – Rethink Plastic Alliance
EN-The Packaging and Packaging Waste Regulation, known as PPWR, is a landmark circular economy regulation that comes into force today, August 12, 2026. The heart of the PPWR is to drastically reduce packaging waste, eliminate non-recyclable packaging, and drive the transition to a safe, circular economy. It also includes rules targeting serious human health and environmental impacts in the form of banning PFAS in food packaging as well as setting legally binding targets for preventing waste, as well as reuse and recycled content in packaging.
Perhaps because PPWR has the power to significantly stop the status quo of ever-rising plastic waste, certain industry players have tried mightily to delay or derail it.
In April 2026, four months before the PPWR was set to take effect, 138 CEOS of the single-use packaging industry sent a private letter to EU institutions asking to delay their obligations under PPWR and reopen negotiations. This letter was later leaked and revealed a number of lobbying demands, such as weakening waste prevention and exemptions on single-use packaging. The letter cited the industry’s need for more time to comply with and clarify the regulations.
Interestingly, many packaging businesses and large corporations chose not to sign the letter. The packaging industry publication Packaging Europe found a mixed reaction talking to plastic-industry reps: some did support delaying PPWR’s implementation to protect businesses and allow employees more time to deal with the administrative burden; others pointed out that many companies had already taken steps to implement PPWR and delaying would be “unfair to companies who adapted their processes and are ready to go,” as Ton Knipscheer at the European Co-Packers Association said.
Zero Waste Kiel signed a response letter asking the EU Commission to adhere to the original August 12, 2026 implementation date. (You can read the full letter here.) The letter pointed out serious concerns with the last-minute lobbying push to delay PPWR:
Calls to reopen or delay regulation that has already undergone extensive scrutiny, public consultation and democratic debate, undermine democracy and the legislative process
The 138 signatories of the April 2026 letter do not represent the wider packaging value chain and industry members who did not sign the letter and already invested time and money into adapting
Bans on PFAS in food packaging are needed immediately to protect the health of European consumers
Bans on single-use plastic packaging are needed immediately to stop the rising waste stream of low-value or difficult or impossible to recycle items that are overwhelming the EU’s recycling system
The same week the lobbying letter was leaked, the Czech Republic asked for more time to clarify exemptions on certain PPWR guidelines. If other EU Member states had agreed with the Czech Republic’s position, this could have pressured the Commission to postpone. Luckily, the EU Commission decided to stick to the original deadline, August 12, 2026.
As of today, EU member states must introduce PPWR, including eliminating PFAS “forever chemicals” from food-contact packaging. But the fight is not over! PPWR is a huge improvement on packaging and plastic waste regulations, but it’s up to us to pressure EU member states to enforce the regulations ambitiously. Ask your local representative what they’re doing to enforce PPWR and hold them to account!