Exit Plastic veranstaltet einen Workshop mit dem türkischen Meeresbiologen Dr. Sedat Gündoğdu
EN -On Monday, June 8th, Exit Plastik hosted a workshop with Dr. Sedat Gündoğdu, a marine biologist at Çukurova University, who spoke about the export of plastic waste between the EU and Turkey. Dr. Gündoğdu revealed that, as many probably already suspected, European plastic waste imported to Turkey is not responsibly recycled, but rather burned, lost in waterways or simply dumped.
Some surprising facts from the Dr. Gündoğdu’s talk:
- Turkey is the number one recipient of EU/UK plastic waste.
- Approximately 40-60% of plastic waste imported to Turkey is burned..
- Until recently, illegal dumping was the major issue in the plastic-waste export between Germany and Turkey. Today, the open burning of plastic and the deluge of microplastics into waterways are the most serious problems in Turkey.
- Nearly 500 plastic-waste facility fires were reported in Turkey over the last 5 years, releasing highly toxic pollutants. Plastic importers are so overwhelmed by the amount of plastic that they have resorted to burning, rather than recycling, plastic.
- Water downstream from Turkish recycling plants have shown a massive uptick (+13,000%) in microplastic waste recently.
Dr. Gündoğdu stressed that the plastic-waste export between Germany and Turkey needs investigating. This is a shadowy industry in which it’s hard to track down precise numbers. Recent estimates have put the amount of plastic waste entering Turkey from Germany at 160,000 tonnes per year. A report in The Guardian said 810,000 tonnes. Dr. Gündoğdu avoids getting bogged down in specific numbers as it overshadows the larger human rights and environmental issues at stake.
Transient, vulnerable and poor communities are most impacted by the deluge of European plastic waste in Turkey, either by working in the industry or living close to industry where they are exposed to toxins. Dr. Gündoğdu points to a recent podcast Boy Wasted by journalist Adnan R. Khan, which follows the story of an Afghan refugee killed in the plastic waste trade, as an example of ongoing human rights abuse.
The EU has an important role to play in exporting un-recyclable plastic waste to Turkey. Dr. Gündoğdu pointed to Belgian ports as particularly egregious for exporting contaminated plastic and where enforcement should be stepped up immediately. Or, he suggested, stop exporting plastic waste from Europe to Turkey altogether. Why are prosperous countries with good plastic waste management, such as Germany, exporting waste to countries with poor plastic waste management, such as Turkey?
A huge thank you to Dr. Gündoğdu for continuing to study and share these disturbing findings and to Exit Plastik for hosting the workshop. We hope to see these issues reported more widely in the press soon.
DE-Am Montag, dem 8. Juni, veranstaltete Exit Plastik einen Workshop mit Dr. Sedat Gündoğdu, Meeresbiologe an der Çukurova-Universität. Er sprach über den Export von Plastikmüll zwischen der EU und der Türkei. Dr. Gündoğdu enthüllte, dass – wie viele wahrscheinlich schon vermutet hatten – europäischer Plastikmüll, der in die Türkei importiert wird, nicht fachgerecht recycelt, sondern verbrannt, in Gewässer entsorgt oder einfach illegal entsorgt wird.
Einige überraschende Fakten aus Dr. Gündoğdus Vortrag:
- Die Türkei ist der Hauptabnehmer von Plastikmüll aus der EU und Großbritannien.
- Etwa 40–60 % des in die Türkei importierten Plastikmülls werden verbrannt.
- Bis vor Kurzem war illegale Müllentsorgung das Hauptproblem beim Plastikmüllexport zwischen Deutschland und der Türkei. Heute sind die Verbrennung von Plastik im Freien und die Flut von Mikroplastik in den Gewässern die gravierendsten Probleme in der Türkei.
- In den letzten fünf Jahren wurden in der Türkei fast 500 Brände in Anlagen zur Kunststoffabfallverwertung gemeldet, bei denen hochgiftige Schadstoffe freigesetzt wurden. Kunststoffimporteure sind mit den enormen Mengen an Plastikmüll so überfordert, dass sie auf Verbrennung statt Recycling zurückgreifen.
- In Gewässern flussabwärts türkischer Recyclinganlagen ist die Konzentration von Mikroplastik in letzter Zeit massiv angestiegen (+13.000 %).
Dr. Gündoğdu betonte, dass der Export von Plastikmüll zwischen Deutschland und der Türkei untersucht werden müsse. Es handele sich um eine intransparente Branche, in der es schwierig sei, genaue Zahlen zu ermitteln. Jüngsten Schätzungen zufolge gelangen jährlich 160.000 Tonnen Plastikmüll aus Deutschland in die Türkei. Ein Bericht im Guardian sprach von 810.000 Tonnen. Dr. Gündoğdu vermeidet es jedoch, sich in konkreten Zahlen zu verlieren, da diese die umfassenderen Menschenrechts- und Umweltprobleme in den Hintergrund drängen.
Vagabundierende, schutzbedürftige und arme Gemeinschaften sind am stärksten von der Flut europäischen Plastikmülls in der Türkei betroffen, sei es durch die Arbeit in der Industrie oder durch das Leben in der Nähe von Industrieanlagen, wo sie Schadstoffen ausgesetzt sind. Dr. Gündoğdu verweist auf den kürzlich erschienenen Podcast „Boy Wasted“ des Journalisten Adnan R. Khan, der die Geschichte eines afghanischen Flüchtlings erzählt, der im Plastikmüllhandel getötet wurde, als Beispiel für anhaltende Menschenrechtsverletzungen.
Die EU spielt eine wichtige Rolle beim Export von nicht recycelbarem Plastikmüll in die Türkei. Dr. Gündoğdu hob die belgischen Häfen als besonders problematisch für den Export von kontaminiertem Plastik hervor und forderte, dass die Kontrollen dort umgehend verschärft werden müssten. Alternativ schlug er vor, den Export von Plastikmüll aus Europa in die Türkei komplett zu stoppen. Warum exportieren wohlhabende Länder mit einem guten Plastikmüllmanagement wie Deutschland ihren Müll in Länder mit einem mangelhaften Plastikmüllmanagement wie die Türkei?
Weitere Informationen zum Export von Plastikmüll in die Türkei finden Sie in Dr. Gündoğdus 2021 veröffentlichter Studie „Warum die Türkei keine Plastikmüllverschmutzung aus Industrieländern importieren sollte“.
Ein herzliches Dankeschön an Dr. Gündoğdu für seine fortwährenden Forschungen und die Veröffentlichung dieser alarmierenden Ergebnisse sowie an Exit Plastik für die Ausrichtung des Workshops. Wir hoffen, dass diese Problematik bald breitere Beachtung in der Presse finde.