Bea Johnson in Kiel – Inspiration in Sachen Zero Waste Lifestyle

Bea Johnson in Kiel – Inspiration in Sachen Zero Waste Lifestyle Am 19. November war es endlich soweit. Bea Johnson, Begründerin der Zero Waste Bewegung und Autorin des Buches Zero Waste Home, besuchte Kiel und sprach vor über 250 Interessierten im Audimax. Die Gewinnerin des Green Awards 2011 (USA) verleiht der Abfallvermeidung seit 2008 ein modernes Image.

Ausgerichtet wurde die Veranstaltung maßgeblich von Marie Delaperrière, Inhaberin von unverpackt Kiel, sowie zahlreichen freiwilligen Unterstützern und in Zusammenarbeit mit der Christian-Albrechts Universität zu Kiel und dem Umweltschutzamt Kiel.
ABea Johnson 2ls erster Programmpunkt des Tages stand am Vormittag ein Besuch Bea Johnsons an der Kieler Gelehrtenschule auf dem Plan, wo sie mit Schülerinnen und Schülern der Oberstufe über den Sinn und die Möglichkeiten der Abfallvermeidung diskutierte. Im Anschluss drängten sich ab 15 Uhr zahlreiche Zero Waste Anhänger und solche, die es werden wollen, in den Verkaufsraum von unverpackt Kiel, um die französischstämmige Wahl-Kalifornierin bei ihrem ersten und einzigen Tourtermin in Deutschland zu sehen. Was als erstes Kennenlernen, als Buchverkauf von Zero Waste Home und Signierstunde geplant war, wandelte sich spontan in einen ersten, durch Fragen der Anwesenden angestoßenen, Kurzvortrag von Bea.Bea Johnson 5
Dabei wurden zwei Dinge bereits deutlich: Zum einen gibt es in Kiel und Umgebung offenbar zahlreiche Bürgerinnen und Bürger, die sich für ein nachhaltiges Konsumverhalten nicht nur interessieren, sondern einen solches bereits mehr oder weniger strikt leben. Zum anderen scheint die Umsetzung eines Zero Waste Lifestyles ein Open Source Produkt zu sein, bei dem eine Plattform zum Ideen-Austausch hilfreich und bereichernd ist.

 

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Und einen solchen Anlass zum Austausch bot der Tag mit Bea Johnson allemal. Ab 18 Uhr trudelten die ersten Besucher der Abendveranstaltung im Foyer des Audimax der CAU ein. Passend zum Thema des Vortrags stellten sich per Infostand einige Kieler Projekte vor, die sich mit Nachhaltigkeit, Vermeidung von Lebensmittelverschwendung und Abfall, sowie dem sorgsamen und kritischen Umgang mit Ressourcen und Produkten beschäftigen. Es waren Fill up, Gemüse-Ringen, Mister D., Foodsharing und Holzknoten dort. Auch für das leibliche Wohl war gesorgt, natürlich ohne dass dabei Müll anfiel. Etwa eine studentische Viertelstunde nach 19 Uhr waren die meisten Plätze des Hörsaals H (400 Plätze) belegt.

Bea Johnson 4Bevor Bea Johnson mit ihrem bild- und videogestützten Vortrag begann, eröffneten Dr. Norbert Kopytziok, Leiter des Projekts „klik – klima konzept 2030“ der CAU, Nicoline Henkel, vom Umweltschutzamt Kiel, und Marie Delaperrière als Gastgeberin des Abends mit einigen Worten die Konferenz. Und dann kam endlich die „Priestess of Waste-Free Living“ (New York Times) zu Wort.

Ganz ohne erhobenen Zeigefinger, dafür mit viel Witz und einer ordentlichen Portion Charme, gewährte sie den Anwesenden einen Einblick in ihr Leben und ihren ganz persönlichen Weg in ein nahezu müllfreies Leben – der Abfall der vierköpfigen Familie beläuft sich mittlerweile auf gerade einmal einen halben Liter Müll pro Jahr. Dabei ließ sie auch erheiternde Anekdoten über anfängliche DIY-Fehlversuche nicht aus.

Bea Johnson 1Sie erläuterte ihre „5 R“-Theorie (Refuse, Reduce, Reuse, Recycle, Rot), die es jedem ermöglicht, sich ganz individuell dem Ziel „Zero Waste“ anzunähern. Denn schließlich gehe es nicht darum, dass es jeder genauso macht wie die Familie Johnson. Abfallvermeidung sei vielmehr ein Prozess, der sich abhängig von den persönlichen Möglichkeiten der Umsetzbarkeit, vom Willen, vom Standort und vielem mehr unterschiedlich gestalten kann. Ihr Buch bietet dazu allerdings eine starke Hilfestellung, gespickt mit konkreten Handlungsanweisungen und Rezepten.

Ebenso individuell wie der Weg selbst, seien aber auch die Motive derer, die durch ihr Buch, ihren Blog oder ihre Vorträge auf der ganzen Welt inspiriert, so Jonhson. So stehe für viele sicherlich der Umweltschutz oder die eigene Gesundheit im Fokus – Gründe, die auch bei den Johnsons zunächst der Antrieb waren. Doch auch die Reduzierung der jährlichen Familienausgaben um 40 Prozent stelle für viele einen Anreiz dar. Und was man nicht besitzt und somit nicht kaufen, instand halten, reinigen, aufräumen oder entsorgen muss, ließe einem darüber hinaus mehr Zeit für anderes. So sei das „entrümpelte“ Leben der Johnsons heute nicht mehr von materiellen Dingen bestimmt, sondern von Erlebnissen. „Own less, waste less, live more“ (Besitze weniger, verschwende weniger, lebe mehr), so lautet Bea Johnsons Kampfansage an die Direktion unserer Konsumgesellschaft.

Die im Anschluss an den einstündigen Vortrag gestellten Fragen ließen durchblicken, dass das Konzept gut verständlich war und bei einigen Besuchern sogar schon durch vorherige Lektüre des Buches Zero Waste Home bekannt gewesen ist. So wurde beispielsweise nach Rezepten oder Verhalten in konkreten Situationen gefragt. Die charmante Rednerin mit ihren lustigen und teilweise skurrilen Geschichten aus dem Alltag, die dem nachhaltigen Lebensstil und der Abfallvermeidung ein mondänes, attraktives Gesicht gibt, war den Weg durch das Kieler „Schietwetter“ allemal wert.

Linnea von Tiesenhausen